Am Kanal

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Die Straße entstand mit dem Bau des Stadtkanals (im Verlauf vor der Zuschüttung) 1722/1723 unter Friedrich Wilhelm I., der den älteren Stadtgraben ersetzte. Zwischen dem heutigen Platz der Einheit und der östlichen Kanalmündung hieß der nördlich des Kanals verlaufende Straßenzug seit 1723 Bodens Gracht nach dem Anwesen des Ministers August Friedrich von Boden (1682-1762) an der östlichen Ecke Französische Straße/Am Kanal. Der gegenüberliegende Straßenzug an der Südseite des Kanals hieß Schumachers Gracht nach dem hier wohnenden Geheimen Kabinettsrat Elias Schumacher (gracht ist die niederländische Bezeichnung für Kanal oder Wallgraben). Der Name Schumachers Gracht war bis 1740 in Gebrauch, während noch auf dem Stadtplan von Carl Ludwig von Oesfeld (1786) Bodens Gracht verzeichnet ist. Um 1800 ist die Straße auf beiden Seiten des Kanals von der heutigen Dortustraße (Eiserne Brücke) Am Kanal benannt. 1962 erhielt der westliche Teil den Namen Yorckstraße, während der östliche Teil 1966 in Heinrich-Rau-Allee umbenannt und 1991 rückbenannt wurde. Heinrich Rau (1899-1961) war KPD/SED-Politiker und Minister in der DDR-Regierung. (1)


1769 wird für den Teil der heutigen Straße Am Kanal, die von der Berliner Straße bis zur heutigen Heilig-Geist-Straße führt, die Bezeichnung Heiligegeiststraße verwandt. 1798 ist die Bezeichnung am Kanal in Gebrauch, die weiterführend bis zur heutigen Dortustraße galt.


Die Bezeichnung Am Kanal wurde auch für die heutige Straße Lerchensteig verwandt.


1769

Bodens Graft, geht von der Nauenschen Brücke rechts bis an die Berlinerbrücke. Hier ist eine schöne Lindenplantage, wie auch die faule See, welche von der Plantage, der Friedrichs- und Brandenburgischen Straße umschlossen wird. Es werden hier viele neue Häuser von drey Stockwerken hoch gebauet, welche meistens fertig sind. (2)


1798

Beym Anfange des Kanals, wo er aus der Havel tritt, ist

das Kellerthor, ein Wasserthor, von einem hölzernen Gitter zwischen zwey Pfeilern mit einem dabey stehenden Wachthause. Die Straße von demselben ab bis an die Garnisonplantage heißt

am Kanale.

Hier ist ohnweit der Kellerbrücke die Hauptkaserne für die Garde du-Corps, 1751 von Knobelsdorf gebauet. Sie hat eine Länge von 350 Fuß und in der Mitte und an den Ecken Risalits von drey Geschossen, zwischen welchen das übrige nur zwey Geschosse hat. Sie enthält 64 Gemächer für die Gemeinen und in den Vorsprüngen sind die Wohnungen der Offiziere und des Unterstabes. Am mittlern Vorsprunge, wo der Haupteingang ist, sind steinerne Armaturen und eine Löwenhaut von Giese, an den andern beyden Frontons aber Adler, nebst Palmen- und Lorbeerzweigen.

Zwischen der grünen und Nauenschen Brücke standen sonst hölzerne Kasernen, statt deren Friedrich II. neun steinerne Häuser bauen ließ, die er an Fabrikanten schenkte. Das Eckhaus an der Nauenschen Brücke ward nach Bürings Zeichnung aufgeführt, und die Brustbilder, welche auf den runden Fensterfrontons, wie auf Kamingesimsen stehen, nebst den Ochsenköpfen im Friese geben ihm ein etwas seltsames Ansehen. Die Vorderseite des darneben stehenden ist nach einer Skize des Königs von Manger entworfen. Es sollte ein Modell zu dem vorhabenden neuen Schlosse abgeben und erhielt fünf Fenster. Drey kamen zwischen vier römische kannelirte Pilaster,wovon die zwey mittlern einen eckigen Fronton unterstützen. Die Räume zwischen den Pilastern erscheinen auf holländische Art regelmäßig ausgemauert. Vor den Fenstern des zweyten Geschosses bis an die Brüstung sind eiserne Gitter und auf der Attik über dem Hauptgesimse zwey Figuren.

Jenseit der Nauenschen Brücke sind das von Büring gebaute große Bernhardsche Seidenmanufakturhaus, die Kasernen für das Bataillon Grenadiergarde von Röder und das Brokessche Haus oder die ehemals sogenannte Patronentasche. Dies Haus hat eine Länge von 184 Fuß und giebt von der andern Seite des Kanals ein sehr schönes Ansehen. Es ist nach Gontards Entwurfe gebauet und hat in der Mitte eine Vorlage mit einem Altan, an welcher vier römische runde und zwey dergleichen viereckte Säulen sind. An jedem Ende ist ein weniger vorspringendes Risalit mit drey Fenstern und vier Pilastern. In jedem der zurückliegenden Theile sind fünf Fenster zwischen sechs Pilastern. Es ist drey Geschoß hoch und hat über dem Hauptgesimse im Mittel ein Fronton und an den Seiten Attiken mit Balüstern, auf welchen acht Vasen und zwey Kindergruppen stehen.

An dieses Haus stößt die ehemalige griechische Kirche, welche Friedrich Wilhelm I. am Ende des Exercierhauses für die vielen Russen, Raizen und Griechen unter seinem Leibregiment bauen ließ. Unter Friedrich II. war es bis 1777 ein Schauspielhaus. 1785 ward es drey Geschosse hoch neu aufgeführt und das Innere zu Montirungskammern eingerichtet. In den beyden untern Geschossen ward es nach ionischer Ordnung gebauet und die eine Seite erhielt acht, die andere sechs dergleichen Pilaster. Auf dem obern Gesimse stehen vier bekleidete Figuren und neun Vasen. (3)


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Einzelnachweise

(1) Klaus Arlt: Die Straßennamen der Stadt Potsdam. Geschichte und Bedeutung. In: Mitteilungen der Studiengemeinschaft Sanssouci. Verein für Kultur und Geschichte Potsdams e.V., 4. Jahrgang (1999), Heft 2, S. 11

(2) Friedrich Nicolai: Beschreibung der Königlichen Residenzstädte Berlin und Potsdam und alle daselbst befindliche Merkwürdigkeiten. Nebst einem Anhange, enthaltend die Leben aller Künstler, die seit Churfürst Friedrich Wilhelms des Großen Zeiten in Berlin gelebet haben, oder deren Kunstwerke daselbst befindlich sind, Berlin bey Friedrich Nicolai, 1769, S. 514 f.

(3) Potsdam`s Merkwürdigkeiten beschrieben, und durch Plans und Prospekte erläutert, Potsdam 1798, bey Carl Christian Horvath, S. 75-77