Stadthistoriker

aus Potsdam-Chronik, der freien Wissensdatenbank
Wechseln zu: Navigation, Suche

Es gibt Begriffe, die inflationär Verwendung finden, ohne dass irgendeiner nach dem Inhalt oder dem Sinn des verwendeten Begriffes fragt. Verantwortlich für diese Tendenz sind die Medien. Die Tageszeitungen an erster Stelle und ihnen folgend Hörfunk und Fernsehen.


Der Begriff Stadthistoriker gehört zu den inflationär verwendeten Begriffen. Die Personen, die so benannt werden, fühlen sich geadelt. Ob sie zu Recht diese Bezeichnung erhielten, danach fragen weder sie noch jene, die sie so titulierten, oder jene, die sie nach dieser Titulierung hofierten. Die Folge war und ist, dass auf diese Weise Menschen in das Vergessen gedrängt wurden, die sich bleibende Verdienste um die Aufarbeitung der Geschichte erworben haben, und Menschen in den Mittelpunkt gerieten, die einer soliden Aufarbeitung der Geschichte mehr Steine in den Weg legten als wegräumten.


Potsdam ist ein ideales Terrain, sich mit dem Phänomen des Stadthistorikers zu befassen. Wie in einem Brennglas werden hier Dinge schneller sichtbar, als das in anderen - wesentlich größeren - Städten der Fall ist. Zudem war und ist Potsdam das ideale Terrain für all jene, die ansonsten Probleme hätten, wahrgenommen zu werden. Denn sie wissen: Deutschland, und die Welt, schauen auf diese Stadt.


Die nachfolgenden Ausführungen sind ein Versuch, sich dem Phänomen "Stadthistoriker in Potsdam" anzunähern. Der erste Schritt ist eine Auflistung all jener Personen, die einen Beitrag zur Aufarbeitung der Geschichte Potsdam geleistet haben bzw. leisten. Ihnen zugeordnet werden die uns hinterlassenen schriftlichen Äußerungen und es wird versucht, die über ihr Leben und Wirken bekannten Informationen darzustellen.

In einem zweiten Schritt geht es um die Wertung der Leistungen unter der Fragestellung: Welchen Beitrag hat die jeweilige Person geleistet, die Geschichte Potsdams aufzuarbeiten und darzustellen?


Begriffserklärung

1. Stadthistoriker in Festanstellung

Der Stadthistoriker ist die Anlaufstelle für alle Fragen zur Stadtgeschichte. Er betreut das Stadtarchiv und ist wissenschaftlicher Betreuer des Stadtmuseums. Kommunen, die stolz auf ihre Geschichte sind und ein Interesse an einer soliden Aufarbeitung derselben haben, leisten sich einen Stadthistoriker in Festanstellung.

Die Stadt Jena zum Beispiel, die 2008 einen Stadthistoriker per Ausschreibung suchte, übertrug diesem folgende Aufgaben:

• analytisch-konzeptionelle Erarbeitung eines Lexikons und weiterer Publikationen zur Stadtgeschichte;

• Initiierung und Koordinierung der Aufarbeitung von unerschlossenen Quellen

• Koordinierung der Aufarbeitung der allgemeinen Stadtgeschichte in Vorbereitung der 775-Jahrfeier

• Initiierung von Angeboten zur Vermittlung der Stadtgeschichte (z.B. Tag der Stadtgeschichte)

• Darstellung der Forschungsergebnisse

• Begleitung öffentlicher Debatten über die Stadtgeschichte.


Die Schaffung einer festen Stadthistorikerstelle bietet Vorteile.

Dem Historiker, dem diese Stelle anvertraut wurde, gibt sie finanzielle und soziale Sicherheit. Er kann sich voll seiner forschenden Arbeit widmen. Verfügt er über ausreichend Kreativität, Energie und die Fähigkeit, auch andere für seine Arbeit zu begeistern und sie in diese einzubeziehen, können in wesentlich kürzeren Zeitabständen Ergebnisse erzielt werden, wofür ansonsten Jahre zu investieren gewesen wären. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass er frei von Einmischung durch Politik und Verwaltung seiner Arbeit nachgehen kann und nicht behindernden Drücken, Anfeindungen oder Verdächtigungen ausgesetzt ist.


Und hier kommen wir auf das Thema der Nachteile des fest angestellten Stadthistorikers.

"Wes Brot ich eß, des Lied ich sing." Mit diesem Sprichwort lassen sich die Hauptbedenken bezüglich einer festen Stadthistorikerstelle zusammenfassen. Im Interesse des Auftraggebers die Geschichte zu interpretieren, wird dem Historiker unterstellt, seit es Beschäftigung mit der Geschichte gibt. Und das war im Altertum. Völlig von der Hand zu weisen, ist diese Sorge nicht. Doch eine derartige Gefahr lässt sich bannen. Bannbar ist sie, wenn man sich des wissenschaftlichen Herangehens an die Aufarbeitung von Geschichte besinnt und konsequent danach handelt. Und das ist in erster Linie Fleißarbeit. Arbeit, die sich nicht immer gleich in Publikationen äußert.


"Ein voller Bauch studiert nicht gern." Dieses Sprichwort verweist auf eine weitere Gefahr. Viele große wissenschaftliche Leistungen sind vor allem in solchen Situationen vollbracht worden, in denen die Motivation des Handelnden besonders stark ausgeprägt war. Der Wunsch nach Erreichung sozialer Sicherheit oder nach einem Lebensstandard, der wissenschaftliches Arbeiten und "schönes Leben" im Einklang bietet, gehört dazu. Eine Möglichkeit, der hier angedeuteten Gefahr des Müssiggangs zu entgehen - und zwar sowohl im Interesse des Anstellenden als auch des Angestellten - ist ein Arbeitsvertrag, der eine Grundabsicherung und eine Mindeststundenzahl definiert und alles außerhalb dieser Zeit verdiente Geld , z.B. durch die Realisierung konkret definierter Auftragsarbeiten, als leistungsbezogene, darüber hinausgehende Bezahlung.

2. Frei arbeitende Stadthistoriker

Jeder nicht in einer Festanstellung untergekommene Historiker - Absolventen oder aus einer Anstellung heraus gekündigte Wissenschaftler - ist auch in anderen Formen bemüht, seiner Profession nachzugehen. Besonders hoch ist die Zahl freiberuflich tätiger Historiker nach gesellschaftlichen Umbruchsprozessen. Sie waren stets die ersten, die die Verantwortung für das Scheitern hochfliegender politischer Träume zu spüren bekamen. Zuvor mit Forschungsthemen befasst, die wesentlich größere Dimensionen erfassten (z.B. europäische oder Weltgeschichte, Politik- oder Philosophiegeschichte), suchen sie nach dem Ende der Karriere ihr Betätigungsfeld nun in der Regional-, Lokal- oder Familiengeschichte.

Neben den qualifizierten Historikern gibt es eine sehr große Zahl von aus anderen Berufen kommenden Menschen, die sich nach beruflichen Veränderungen - Arbeitslosigkeit, Krankheit, Verrentung oder Pensionierung - nicht auf die faule Haut legen möchten. Sie suchen nach einer sinnvollen Betätigung, und nach öffentlicher Anerkennung (!). Die Zuwendung zu historischen Themen ist in einer solchen Situation besonders ausgeprägt. Im Land Brandenburg gab es im Jahr 2008 grob geschätzt bis zu 9.000 Personen, die sich mit Tätigkeiten rund um die Aufarbeitung von Geschichte befassten.

Die Hobbyhistoriker sind sehr engagiert, investieren viel Zeit und auch nicht wenig Geld in ihr Hobby. Die Qualität der Ergebnisse weist ein breites Spektrum auf. Grund dafür ist, dass den Laienforschern sehr oft die Kenntnis des Handwerkszeugs eines Historikers fehlt.


Stadthistoriker in Potsdam

Mit der Besiedlung der Insel Potsdam durch über Kenntnis in Wort und Schrift verfügende Menschen werden auch Personen gekommen sein, die Aufzeichnungen über das Alltagsleben machten und dafür sorgten, dass diese aufbewahrt wurden. Aufzeichnungen machten Beamte, Pfarrer, Schulmeister, Kaufleute, Händler und andere. Aufbewahrt wurden ihre schriftlichen Produkte im privaten Bereich oder - wenn es sich um Dokumente mit amtlichem Charakter handelte - in Archiven. In gedruckter Form festgehaltene Aufzeichnungen fanden ihren Weg in Bibliotheken. Überstanden die nicht gedruckten und gedruckten Schriften Feuersbrünste, Kriege, Plünderungen, Ratten und anderes Ungeziefer sowie die Vernachlässigung durch die für ihre Aufbewahrung verantwortlichen Personen, konnten sie bis in die Gegenwart gelangen und uns von jenen berichten, die sie verfasst hatten.


18. Jahrhundert

19. Jahrhundert

  • Eduard Fidicin
  • Herter
  • Heinrich-Ludwig Heydert
  • Höpfner
  • Kobrizinski
  • von Korff
  • von Luck
  • Ostmann
  • von Puttkamer
  • Rauh
  • Wilhelm Riehl
  • Caroline Schulze
  • Schupke
  • Schwarzenberg
  • Seligo
  • C. Silber
  • Stolte
  • Villaume
  • F. Voigt
  • L. Voigt

20. Jahrhundert

vor 1945

  • Helene d`Alton-Rauch
  • Caesar von der Ahé
  • Friedrich Backschat
  • Otto Berndt
  • Friedrich Bestehorn
  • August Bonnes
  • Richard Boschan
  • Theodor Dobbert
  • Alfred Ehrentreich
  • Hans-Jürgen Felgentreu
  • Otto Grell
  • Gropler
  • E. Handtmann
  • Marie Heinze
  • Reinhold Heuer
  • Paul Höckendorf
  • Eugen Huguenel
  • Hans Hupfeld
  • Hans Kania
  • Kurt Kuhlow
  • Julius Lange
  • Feodor Marten
  • Karl Ernst Müller
  • Paul Naetebusch
  • Friedrich Netto
  • Eugen Pappenheim
  • Max Pehle
  • Hermann Rademacher
  • Traugott von Saltzwedel
  • Hans E. von Seltzer-Stahn
  • Willi Spatz
  • Albert Strukat
  • Chr. Voigt
  • Karl Warmberg
  • F. Winkler
  • Alfred Wisanowski (= Ernst Sucher)
  • Erich Wulfert


nach 1945

  • Kurt Adamy
  • Gerd Alpermann
  • Klaus Arlt
  • Werner Bethge
  • Paul Biela
  • Lutz Borgmann
  • Hans-Dieter Dannenberg
  • Horst Drescher
  • Götz Eckardt
  • Hermann Fellien
  • Kurt Finker
  • Werner Franz
  • Werner Garitz
  • Wolf Gerhardt
  • Hans-Joachim Giersberg
  • Klaus Grebe
  • Vera Grützner
  • Willi Hanke
  • Maria Hepner
  • Richard Hoffmann
  • Erhart Hohenstein
  • Heinz Jordan
  • Silke Kamp
  • Jutta Kirst
  • Hartmut Knitter
  • Jürgen Koppatz
  • Detlef Kotsch
  • Hans-Joachim Kramm
  • Renate Kroll
  • G. Krüger
  • Aribert Kutschmar
  • Hannelore Lehmann
  • Karin Markert (Hauf)
  • Kurt Markert
  • Gerhild Martens
  • Helmut Päpke
  • Karola Paepke
  • Joachim Pilz
  • Gerhard Popplow
  • Wolfgang Rocksch
  • K. Ruppert
  • Hermann Schall
  • Adelheid Schendel
  • Joachim Schobeß
  • Hans-Joachim Schreckenbach
  • Dieter Schulte
  • Ilse Schumann
  • Werner Taag
  • Wilfried Theile
  • Manfred Uhlemann
  • Waltraud Volk
  • Kurt Weiden
  • Thomas Wernicke
  • Hans Wisanowsky
  • Werner Wolf


nach 1990

  • Kurt Baller (= Bert Kurall, = KB)
  • Götz Ballosch
  • Frank Bauer
  • Norbert Blumert
  • Josef Drabek
  • Frank Göse
  • Vera Grützner
  • Albrecht Gülzow
  • Carin Carmen Jung
  • Armin Klein
  • Hans-Werner Mihan
  • Harald Müller
  • Günter Nagel
  • Almuth Püschel
  • Volker Punzel
  • Ines Reich
  • Ulrich Schmelz
  • Werner Stang
  • Gert Streidt
  • Wolfgang Tripmacker
  • Jörg Wacker
  • Dieter Weirauch
  • Kärstin Weirauch