Neuzeit

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Vorbemerkung
Die auf das Mittelalter folgende Neuzeit veränderte Potsdam. Der Katholizismus musste dem Protestantismus weichen. Aus der Immediatstadt wurde eine Residenzstadt und später eine Garnisonstadt. Die Hohenzollern, die zunächst die Verpfändungspolitik der ihnen hinsichtlich des Besitzes von Potsdam voran gegangenen Herrschaftshäuser fortsetzten, fanden zunehmend mehr Interesse an der am Havelufer gelegenen Stadt.

Nachdem bei zwei Großbränden im 16. Jahrhundert nahezu alle Unterlagen vernichtet worden waren, die sich auf die Zeit des Mittelalters bezogen, begann sich die Aktenlage etwas zu verbessern. Doch von einer Sorgfalt des Umgangs mit den amtlichen Dokumenten konnte man nicht unbedingt sprechen. Nach Potsdam kam zunächst, wer woanders nicht vonnöten war. Und viele, die uns heute Lebenden hätten helfen können, mehr über das Potsdam des 16. und des 17. Jahrhunderts zu erfahren, mussten die kleine Stadt verlassen oder gingen mehr oder weniger freiwillig. Im 18. Jahrhundert änderte sich dies. Dank einiger emsiger und auch mutiger Männer, wie Jacob Paul von Gundling, Samuel Gerlach, Friedrich Nicolai oder Heinrich Ludwig Manger.


Die Stadtbrände
Die Reformation und die mit ihr verbundenen Veränderungen für große Teile der Bevölkerung Brandenburgs kommen in den Annalen der Stadt Potsdam lediglich am Rand vor. Überlagert werden die religiösen Veränderungen durch zwei Feuersbrünste, von denen die Stadt in verhältnismäßig kurzem Zeitabstand heimgesucht wurde.

Am 24. Juni 1550 vernichtete ein verheerender Stadtbrand zahlreiche Gebäude. Vor allem fielen dem Feuer viele schriftliche Quellen zur Stadtgeschichte zum Opfer. 1550 äscherte eine weitere große Feuersbrunst wiederum Teile der Stadt ein. Von den schweren Verlusten erholte sich die Stadt erst wieder ab 1660. Herrscherwechsel und vor allem der 30jährige Krieg verhinderten eine schnellere Gesundung der Stadt an der Havel.

Brennende Stadt


Der 30jährige Krieg
Gustav II. Adolf von Schweden
Bis 1626 blieb Potsdam von den seit sieben Jahren in Europa wütenden Kämpfen zwischen katholischen und protestantischen Herrschern verschont. Die Truppen des auf Seite der Protestanten kämpfenden Söldner- und Heerführers Peter Ernst II. von Mansfeld hinterließen eine geplünderte Stadt. Mehrere Jahre später folgten ihnen, in gleicher Weise sich aufführend, die Truppen des schwedischen Königs Gustav Adolf.

Furchtbarer als Krieg und Hungersnot hausten in Potsdam in den Jahren des Krieges zwischen 1618 und 1648 die Krankheiten. Die Pest und Epidemien rafften den größten Teil der Bevölkerung dahin. Und wer die Möglichkeit besaß, woanders unterzukommen und sicherer zu leben, verließ die Stadt.

Bildquelle:Wikipedia


Das Potsdam des 17. Jahrhunderts
Nach dem Ende des 30jährigen Krieges im Jahr 1648 befand sich nicht nur das Kurfürstentum am Boden, sondern auch Potsdam. Kurfürst Friedrich Wilhelm unternahm alles, um seinen Herrschaftsbereich wirtschaftlich, bevölkerungsmäßig, baulich und kulturell wieder aufzubauen. Einen ersten Eindruck von den in Potsdam erreichten Ergebnissen vermitteln die Bauzeichnungen von Johann Gregor Memhardt aus dem Jahr 1672. Dem Kupferstecher Johann Gottfried Bartsch verdanken wir es, dass sie als Kupferstiche erhalten geblieben sind. Georg Sello zeichnete den Kupferstich 1888 in Farbe nach.
Potsdam im Jahr 1672


Reformation und Kirchen
1724 errichtete Kirche
Die Reformation hatte die bereits im Mittelalter errichtete Kirche scheinbar unbeschadet überstanden. Auch den zwei verherrenden Statdtbränden des 16. Jahrhunderts war sie entronnen. Preußens König Friedrich Wilhelm I. ließ das historische Bauwerk 1721 dann aber vollständig abreißen und eine neue Kirche erbauen. Damit vollzog er auch in baulicher Form die vollständige Hinwendung zum Protestantismus. Mit der Namensgebung für die Kirche hatten die Hohenzollern bereits schon zuvor eine sehr selbstbewußte Haltung gegenüber den Regeln der Kirche betont. Auf die Heilige Maria folgte die nicht gerade heilige Kurfürstin Katharina und auf diese wiederum der Heilige Nikolai.

Sein Sohn, Friedrich II., veränderte das Erscheinungsbild der Kirche, indem er ihr einen Vorbau anfügen ließ. 1795 wurde sie bei einem Brand schwer beschädigt und musste ein Jahr später abgerissen werden. Aus den Steinen des Gotteshauses wurde das Schauspielhaus, die "Kanaloper" errichtet.


Eine Stadt im Wandel
Im 18. und 19. Jahrhundert erlebte Potsdam eine vollständige Veränderung des Stadtbildes. Die von einer Mauer und von Toren umgebene Stadt wurde unter König Friedrich Wilhelm I. größer, erhielt mehr Einwohner und neben Wohnbauten zahlreiche Gebäude mit repräsentativem Charakter. Aus Zeit- und aus Kostengründen entstand die Mehrzahl der Bauten in einfacher Fachwerkbauweise.

Die Garnisonstadt seines Vaters ließ Friedrich II., König in Preußen, nach seinem Regierungsantritt 1740 in eine Residenzstadt umwandeln, die sich mit anderen Residenzstädten Europas vergleichen lassen sollte. Das Geld für die Umgestaltung musste überwiegend aus seinem herrschaftlichen Haushalt kommen.

Die auf den Alten Fritz folgenden Könige bzw. Kaiser setzten das Werk der Umgestaltung Potsdams im 19. Jahrhundert fort.

Alter Markt um 1772