Friedrich-Ebert-Straße 29

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Friedrich-Ebert-Straße 29
Ort Potsdam
Baumeister Gerrard de Ridder
Baujahr 1731?
Nutzung Wohnhaus
aktuelle Situation Café- u. Wohnhaus
Friedrich-Ebert-Straße 29, vor 1945


Das Gebäude Friedrich-Ebert-Straße 29 befand sich vor der Neuordnung der Straße in der Nauener Straße und trug die Hausnummer 57.


Gebaut wurde es 1731 (andere Quellen: 1736) als unverputztes Traufenhaus mit Backsteinfassade und in Reihenhausanordnung. Abgeschlossen wurde es mit einem Satteldach. Bauherr soll der aus den Niederlanden stammende Tischlermeister Gerrard de Ridder gewesen sein. Zuständiger Bauleiter für das Holländische Viertel insgesamt war der Niederländer Jan Bouman. Genutzt wurde das Gebäude als Wohnhaus für die Familie des Bauherren.


Vermutlich seit 1878 gab es in Potsdam die Hof-Konditorei Kessner. Ein vom Verein der Haus- und Grundbesitzer Potsdam im Jahr 1894 herausgegebener "Führer durch Potsdam und Umgebung..." nennt als Adresse von Hof-Konditor Kessner die Brandenburgerstraße 47. Am Nauener Tor, d. h. in der Nauenerstr. 53, gab es die Konditorei Carl Liepe Nchfg. (Inh.: Th. Hellriegel). 1900 befanden sich Kessner und die Kolonialwarenhandlung von Hermann Schröder in der damaligen Nauener Straße 57.

1903 kaufte Ernst Rabien die Hofkonditorei und führte sie unter seinem Namen weiter. Bis 1931 gab es das Cafè Rabien am nauener Tor. Mit dem Tod von Ernst Rabien erfolgte ein Neustart am Brandenburger Tor. Die Geschichte dieser Zeit beschreibt Wolfgang Bernschein in dem Buch "Das Cafè Rabien mitten in Preußen". Während der Zeit des Caès Rabien gab es in dem Gebäude zusätzlich eine Tüten- und Papiergroßhandlung (1912), ein Optikergeschäft (1925-1932), ein Spezialgeschäft für Damenstoffe (1934-1949) sowie ab 1936 ein Bestattungsinstitut. Ab 1932 gehörte dem Apotheker und Drogeristen Julius Münzer das Haus. Bis zum Tod von Frau Münzer im Jahr 1967 bestand die Drogerie.


1967 übernahm der Konditor Karl Heider das Haus. In den Räumen der bisherigen Drogerie und des Stoffgeschäftes eröffnete er sein Cafè. Zunächst hatte er 1966 die Konzession für eine Eisdiele in der Gutenbergstraße 63/64 erhalten. Da das Haus jedoch abgerissen wurde, erhielt er die Friedrich-Ebert-Straße 29 zur Nutzung. Ende 1989 meldeten sich die Söhne der einstigen Eigentümer des Hauses bei Heider. nach Auskunft des einen in Potsdam lebenden Sohnes hätten seine Eltern den jüdischen Eigentümer des Hauses versteckt und von ihm als Dank dafür das Cafèhaus geschenkt bekommen. Inwieweit diese Geschichte stimmt, konnte bislang nicht festgestellt werden. Der Potsdamer Frank verzichtete auf das Haus. Sein in Franken lebender Bruder Otto jedoch nicht. Karl Heider gab im Dezember 1991 sein Cafè auf. Es gab nunmehr Zwischennutzungen und mehrere Versuche von Otto Frank, finanziell starke Mieter zu finden. Sein Versuch, die Deutsche Bank als Mieter zu gewinnen, wurde von der Stadt blockiert. Begonnene Arbeiten zur Sanierung konnten aus finanziellen Gründen nicht weitergeführt werden.


Bau- und Nutzungsschäden beeinträchtigten die Bausubstanz des Vorderhauses sehr. Die sichtbaren Holzbauteile wiesen starke Schäden auf. Im Keller stand das Wasser bei einer Besichtigung im Oktober 1994 bis zu 30 cm unter Wasser. Im November 1994 verkaufte Frank das Haus. Ab dem Frühjahr 1995 sanierten der Berliner Rechtsanwalt Dr. Michael Schöne und seine Frau Petra im Auftrag einer Bauherrengemeinschaft das Haus. Rund zwei Millionen D-Mark mussten investiert werden. Am 1. April 1995 wurde die Presse von den Bauherren zu einer Präsentation des Projekts eingeladen.


Im September 1995 wurde das Cafè Heider nach umfassender Sanierung, Modernisierung und Umbau neu eröffnet. Betreiber war der Potsdamer Nico Gehn. Ein zu diesem Zeitpunkt noch anhängiger Rechtsstreit mit Karl Heider um den Namen des Cafès wurde im November 1995 beendet.