Brandenburger Vorstadt

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Auf der Landseite des Brandenburger Tores am Luisenplatz beginnender,durch die Havel im Südosten, die heutige Schopenhauerstraße in Richtung Osten sowie durch den Park Sanssouci im Nordwesten begrenzter und sich in Richtung Westen seit dem 18. Jahrhundert ausdehnender Potsdamer Stadtteil.


1786

In Band 3 der 1786 erschienenen "Beschreibung der Königlichen Residenzstädte Berlin und Potsdam, aller daselbst befindlicher Merkwürdigkeiten und der umliegenden Gegend" beschrieb Friedrich Nicolai auf den Seiten 1193 bis 1195 den zum damaligen Zeitpunkt bestehenden Entwicklungsstand dieser Vorstadt.


II) Die Brandenburgische Vorstadt

Sie begreift alles das, was vor dem Brandenburgerthore links, von dem Wege nach dem Obelisk, bis an die Havel, liegt: und hat 112 Vorderhäuser, ohne die öffentlichen Gebäude. Gleich vor dem Thor ist ein großer viereckter bebauter Platz. Links geht von demselben die Straße nach Brandenburg ab; die Lindenallee dieser Straße reicht bis an die vor der Pirschheide liegende Potsdamsche Magistratsheide.


Dieser Weg (die heutige Schopenhauerstraße vom Luisenplatz bis zum Obelisk, V. Pz.) scheidet zugleich die Brandenburger Vorstadt von der Nauenschen. Auch gränzet die Brandenburger Vorstadt hier auf der Mitternacht- und einem Theil der Abendseite an das Königl. Lustschloß Sanssouci und dessen Pertinenzien, welche unten (S. 1200) besonders beschrieben sind.


Nachfolgend beschrieb Nicolai die sich in der Brandenburger Vorstand befindlichen Bauwerke und Sehenswürdigkeiten. Das waren:

  • Bauhof
  • Fischerscher Garten
  • Scharfrichterei
  • Brandenburgerbrücke
  • Ziegel- und Kalkbrennerei des Magistrats
  • Schaafbrücke
  • Kanal von der Havel
  • Bührings Vorwerk
  • Erdmannsche Plantage und Garten
  • Ratsmeierei
  • Kunstscher Garten
  • Salzmannsches Haus und Garten
  • Gasthof "Zum weißen Roß"


1798

Carl Christian Horvath verwendet Nicolais Beschreibung der Brandenburger Vorstadt mit ganz geringen Veränderungen in dem von ihm 1798 herausgegebenen Buch "Potsdams Merkwürdigkeiten, beschrieben, und durch Plans und Prospekte erläutert.". Auf den Seiten 118 bis 120 heißt es:


Die Brandenburgische Vorstadt

Sie begreift alles, was vor dem Brandenburger Thore, links von dem Wege nach dem Obelisk, bis an die Havel liegt, und hat 111 Häuser ohne die öffentlichen Gebäude.

Gleich vor dem Thore ist ein großer viereckter Platz, an welchem rechts gleich vorn an der Ecke der Wieneckensche Gasthof zum weißen Roß, und links der Puhlmannsche Gasthof zu den drey Linden ist. Links von diesem Platze geht die mit einer Lindenallee besetzte Straße nach Brandenburg an. An dereselben liegt

der königliche Bauhof, dessen Hinterplatz bis an die Havel gehet. Hier stehen die Vorrathsschuppen für die Baumaterialien und die Schuppen für die Arbeiter, welche den Marmor, die Sandsteine und andere Materialien zum Bau zurichten. Neben dem Bauhofe, ist

der von Friedrich Wilhelm I. angelegte Fischersche, jetzt von Schenksche Garten, einer der schönsten und anmuthigsten bey Potsdam.

Weiter hinauf ist die Scharfrichterey. Nicht weit von derselben kömmt ein Kanal aus der Havel, der in verschiedenen Richtungen nach der ehemaligen Kunstmühle und dem neuen Schlosse gehet und über welchen hier die Brandenburger Brücke ist. Fast am Ende der Brandenburgischen Allee liegt links an der Havel des Magistrats Ziegel- und Kalkbrennerey, die in Erbpacht ausgethan ist.

Vom Fischerschen Garten ab zwischen den Windmühlen geht rechts ein Weg, an welchem hinter der Schaafbrücke Bührings Vorwerk liegt. Diese vom Baudirector Boumann angelegte und vom Landbaumeister Büring erweiterte Meyerei mit einem schönen großen Garten besaß hernach der Hauptmann von Gontard. Nicht weit davon ist die Erdmannische Plantage und Garten und hinter derselben eine Kolonie von zwey Familien dicht am Eingange zum neuen Schlosse.

Aus dem Viereck vor dem Brandenburger Thore geht gerade aus eine stark bebaute Gasse zur ehemaligen Kunstmühle, an welcher viele, zum Theil angenehme Gärten, unter andern der Kunstische, wegen seiner Melonen bekannte Garten und rechts die Rathsmeyerey liegen. Nicht weit von dieser ist das schöne

Lord Marshallsche Haus. Friedrich II., der die Gesellschaft dieses Lords sehr liebte, kaufte einen Garten, dessen Hinterseite an den Eingang von Sanssouci stieß, und ließ ihm dieses Haus bauen. Es ist sehr einfach und hat außer dem Erdgeschoß nur ein Stockwerk Höhe, nebst einem nach der Gartenseite gehenden Dacherker.

Etwas rechts von voriger Gasse gehet aus dem Viereck ein schöner, mit Linden und gezogenen Hecken bepflanzter Weg nach Sanssouci, zu den ehemaligen Gärtnerwohnungen.

Eine vierte Gasse endlich geht aus dem Viereck rechts längs der Stadtmauer, und führt zum Obelisk bey Sanssouci. Hier ist das Hartesche Haus und Garten.