Am Neuen Markt 5

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Im Jahr 1755 wurde, nach Friedrich Mielke, am Neuen Markt das Wohnhaus Am Neuen Markt 5 errichtet.


1769

Auf dem neuen Markte stehen ...

... Ein schönes Gebäude nach Palladio, vier Stockwerke hoch, wovon die zwo ersten auf Rustikart, und die zwo andern mit korinthischen Pilastern gebauet sind. Oben im Friese ist eine Verzierung mit Fruchtkränzen. (1)


1789

Mit dem am neuen Markte aufzuführenden, der Witwe Kalow gehörigen Hause 56 1/4 Fuß lang, 38 Fuß tief, traf in Ansehung des Innern gleiche Unbequemlichkeit wie mit dem vorigen, ein. Die Außenseite mußte nach des Palladio Vorriß auf der 14ten Seite des zweiten Buchs aufgeführet werden, und die Geschosse konnten in unserm Klima und bey hiesigen Holzpreisen, unmöglich so hoch werden, wie man sie in Italien zu machen pflegt. Es ward also dieselbe folgendermaßen ins Werk gesetzt:

Das untere 21 Fuß hohe Geschoß erhielt bäurische von einander abgesonderte Quadern, doch nicht solche, die, wie bey Palladio, den rohen gebrochenen Stein vorstellten, sondern mit scharfen Kanten, und da, wo die untern gevierdten Fenster an das durchlaufende Band stossen, wurden Balken zu einem niedrigen Mittelgeschosse eingelegt, die weiten Bogen über diesen Fenstern aber zum Gebrauch dieses Geschosses offen gelassen, und mit verglaßten Rahmen versehen, damit man auf dem Fußboden liegend, lesen, schreiben, oder andere Arbeiten verrichten könnte. Das obere 24 Fuß hohe Stockwerk ward wieder in zwey Theile getheilt, nämlich über den fünf Hauptfenstern desselben, die zu beiden Seiten mit kleinen jonischen Wandsäulen, mit Bassagen, und darüber wechselsweise mit eckigten und runden Frontons versehen waren, kamen noch niedrige Fenster, und über die unmittelbar fortlaufende Astragate der Pilaster in jeder Weite unter dem Architrave ein Kopf mit Festons.

Der Bildhauer Eppen machte sowohl die sechs großen römischen Pilaster, als die zehen kleinen jonischen Wandsäulenkapitäle an den Fenstern, nicht weniger die fünf Köpfe mit Guirlanden unter der Architrave. (2)


1798

Das Kalowsche Haus nach Palladio, dessen unteres Geschoß bäurische, von einander abgesonderte Quadern hat. Das obere 24 Fuß hohe ist in zwey Theile getheilt, indem über den Hauptfenstern, die zu beyden Seiten mit kleinen ionischen Wandsäulen, mit Bassagen und wechselsweise mit eckigten und runden Frontons versehen sind, sind noch niedrige Fenster, und über der unmittelbar fortlaufenden Astragale der Pilaster in jeder Weite unter dem Architrave, ein Kopf mit Festons. (3)


Einzelnachweise

(1) Friedrich Nicolai: Beschreibung der Königlichen Residenzstädte Berlin und Potsdam und alle daselbst befindliche Merkwürdigkeiten. Nebst einem Anhange, enthaltend die Leben aller Künstler, die seit Churfürst Friedrich Wilhelms des Großen Zeiten in Berlin gelebet haben, oder deren Kunstwerke daselbst befindlich sind, Berlin bey Friedrich Nicolai, 1769, S. 511

(2) Heinrich Ludwig Manger: Baugeschichte von Potsdam, besonders unter der Regierung König Friedrichs des Zweiten. Erster Band, welcher die Baugeschichte von den ältesten Zeiten bis 1762 enthält, Berlin und Stettin, bey Friedrich Nicolai, 1789, S. 203 f.

(3) Potsdam`s Merkwürdigkeiten beschrieben, und durch Plans und Prospekte erläutert, Potsdam 1798, bey Carl Christian Horvath, S. 85 f.