Die sogenannte Potsdamer Renaissance- Burg
ca. 1350 - 1598

 

Die ehemals relativ kleine und einfache Turmburganlage entsprach einer Turmhügelburg des brandenburgischen Adels. Sie entsprach bald den Anforderungen nicht mehr, und wurde um 1350 unter Einbeziehung des Turmes zur sogenannten Renaissanceburg vergrößert. Von der Burg wurde nun das gesamte südwestliche Viertel der Stadt innerhalb der Umwallung eingenommen. Die erforderliche Baufreiheit wurde durch den Abriss der auf diesem Areal stehenden Bürgerhäuser geschaffen. 

Die Burganlage hatte einen unregelmäßigen Grundriss mit je einem Rundturm an den Ecken. Die Länge der Mauerfronten betrug im Westen 53 m, im Norden 66 m, im Osten 79 m und im Süden 75 m. Die südliche Front stand bereits auf in die Havel geschütteten Boden. Die Ostseite war etwas nach außen gewinkelt, um den Viereckturm einzubeziehen. Im nördlichen Mauerzug befand sich die als Kammertor angelegte Einfahrt, die mit einem Torhaus überbaut war. Folgende Abbildung zeigt den Grundriss der Bauten auf dem Schlossgelände.


 1 Turmburg, 2 Haus des 14. Jh., 3 "Renaissanceburg", 4 Stadtschloss Friedrich II (1)

Berichte und Visitationsprotokollen des 16. und 17. Jahrhunderts ist zu entnehmen, dass die umlaufenden Wehrmauern bis in die 1. Etage reichten und alle Türme Stockwerke, zum Teil aus Fachwerk, hatten. Im südlichen Drittel des Burghofes erhob sich das mit dem Giebel an die Ostmauer angebaute Hauptgebäude,
das Schloss oder später das alte Haus genannt, für das neben dem Erdgeschoss 2 Etagen und ein Dachgeschoss beschrieben werden.(2)


Rekonstruktion der sogenannten
 Renaissanceburg(3)

Von R. Hoffmann freigelegte Grundmauern
 der Toreinfahrt der Renaissanceburg(4)


Die wasserseitige Südfront dieses Gebäudes stand auch schon auf einer ursprünglich in der Havel gelegenen Sandbarre. Zwischen dem Schloss und der südlichen Mauer befand sich ein Garten. Es ist nicht auszuschließen, dass das Hauptgebäude mit Bedacht an die Ostmauer gebaut wurde, um den über die Ringmauer hinausragenden Giebel als vierten Turm in die längste Front einzubeziehen, an der nicht nur der Verkehr von und zum Havelübergang in und durch die Stadt, sondern auch jegliche feindliche Eindringliche vorbei mussten, und so besser bekämpft werden konnten.
Ein alter Plan dieser Burg im geheimen Staatsarchiv in Berlin weist aus, dass an der nördlichen Mauer innen beiderseits des knapp 5 m breiten Tores weitere Gebäude standen. Nach den bereits genannten Berichten handelte es sich um Wirtschaftsbauten und Ställe. 1960/ 61 konnten deren 1,5 - 1,8 breite Fundamente aus großen Findlingen, Feldsteinen und Ziegeln auf der östlichen Torseite in den Grabungsflächen erfasst werden, sowie auch Trassen von alten hölzernen Röhren mit kupfernen Verbindungsstücken, die diesen Anbau mit Wasser versorgten. Von dem auf der westlichen Torseite eingezeichneten Anbau fanden sich bei der Ausgrabung keinerlei Spuren.
Unmittelbar südlich der Tordurchfahrt wurden von einem Haus die Reste der Kellergrube von 3,0 - 3,5 m Grundfläche freigelegt.
Die aufgefundenen, als Auflieger zu deutenden Steine lassen vermuten, dass es sich um einen Fachwerkbau mit Schwellrahmen- Konstruktion handelte (siehe 5).


Planum des eingetieften Hauses mit Traufsteinpflaster,
das in der Toreinfahrt der Renaissanceburg gefunden wurde (5)


Da sicher nur ein Raum dieses Hauses unterkellert war, und die ebenerdigen oder nur flach eingetieften Wandspuren durch jüngere Bodenbewegungen beseitigt wurden, lässt sich über die vollständige Größe des Hauses nichts aussagen. Da es jeglichen Verkehr durch das Burgtor behindert hätte, muss es älter als die Burg sein (zweifellos eines der Bürgerhäuser, die dem Burgenbau zum Opfer fielen). Entsprechend Funden aus der Kellergrube muss der Abriss dieses Hauses ca. 1350 erfolgt sein.(6)

 

(1)Quelle: Geisler, Horst/ Grebe, Klaus: Poztupimi - Potstamp - Potsdam. Ergebnisse archäologischer Forschungen. Brandenburgisches Landesmuseum für Ur- und Frühgeschichte, Potsdam 1993, S. 62, Abb. 51
(2)Quelle: Geisler, Horst/ Grebe, Klaus: Poztupimi - Potstamp - Potsdam. Ergebnisse archäologischer Forschungen. Brandenburgisches Landesmuseum für Ur- und Frühgeschichte, Potsdam 1993, S. 63
(3)Quelle: Geisler, Horst/ Grebe, Klaus: Poztupimi - Potstamp - Potsdam. Ergebnisse archäologischer Forschungen. Brandenburgisches Landesmuseum für Ur- und Frühgeschichte, Potsdam 1993, S. 64, Abb. 53
(4)Quelle: Geisler, Horst/ Grebe, Klaus: Poztupimi - Potstamp - Potsdam. Ergebnisse archäologischer Forschungen. Brandenburgisches Landesmuseum für Ur- und Frühgeschichte, Potsdam 1993, S. 64, Abb. 54
(5)Quelle: Geisler, Horst/ Grebe, Klaus: Poztupimi - Potstamp - Potsdam. Ergebnisse archäologischer Forschungen. Brandenburgisches Landesmuseum für Ur- und Frühgeschichte, Potsdam 1993, S. 65, Abb. 55
(6)Quelle: Geisler, Horst/ Grebe, Klaus: Poztupimi - Potstamp - Potsdam. Ergebnisse archäologischer Forschungen. Brandenburgisches Landesmuseum für Ur- und Frühgeschichte, Potsdam 1993, S. 64/65

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