Die Turmburg am Havelübergang

 

In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts entstand etwa 600 m westlich der ältesten deutschen Burg, die auf dem slawischen Burgwall errichtet wurde, eine neue Befestigung. Auf einer Zeichnung, vermutlich aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, ist ein Steinbau als Teil einer Ringmauer zu sehen. Es ist nicht auszuschließen, dass er zu einer Zeit, als die Mauer noch nicht bestand, die Funktion eines Bergfrieds gehabt haben könnte. Von der Lokalforschung wird dieser Viereckturm als Teil einer Askanierburg angesehen. Von 1157 (beginnend mit Albrecht dem Bären) bis zum Jahr 1320 war Brandenburg im Besitz der Askanier.

Bereits 1946 entdeckte R. Hoffmann in einem Rohrgraben vor der Wand des Mittelbaues im Stadtschlosshof ein starkes Fundament aus Findlingen von 1,60 m Breite, das nur als Rest der ältesten Burg auf diesem Platz angesehen werden konnte. 1950 und 1952 wurden Reste einer Umfassungsmauer, die in Nordsüdrichtung auf 30 m Länge bis zu einer Ecke nachgewiesen wurde, wo sie nach Osten bzw. Nordosten abbog. Der weitere verlauf blieb ungeklärt. 1958 und 1960 wurde der Viereckturm gefunden, der aus ganz ähnlichem Mauerwerk bestand.
Die Grundmauer bildeten Findlinge, die in Kalkmörtel mit Bruchstücken von Klosterziegeln gemauert waren (siehe 2). Das Fundament hatte ein etwas schiefwinkliges Ausmaß von 9 x 9 m äußerer Länge und 5 x 5 m innerer lichter Weite, bei einer durchschnittlichen Mauerbreite von 
1,7 - 1,8 m (siehe 3). Das Aussehen der Potsdamer Turmburg kann man sich folgendermaßen vorstellen (siehe 4).(1)

 

Innenecke des Viereckturmes(2)

Fundamentreste des Viereckturmes der Turmburg(3)


Rekonstruktion der Potsdamer Turmburg und der Bebauung am nördlichen Havelufer(4)

 

In einer Beschreibung des Turmes von 1650 heißt es folgendermaßen:
Das Erdgeschoss enthielt die Zollstube, ein "Cabinettken", eine Kammer, eine Tür und 4 Fenster. Im 1. Geschoss über der Zollstube befand sich ein Flur mit einem Fenster und ein Gemach mit 4 Fenstern und einer Tür, durch die man auf einen hölzernen Wehrgang der Umfassungsmauer gelangte. Das 2. Geschoss besaß einen Flur, ein Gemach mit Flur, 14 verglasten Fenstern und 3 Erker, einer mit Schiefer, 
2 mit Blei gedeckt. Das 3. Geschoss wies 3 Fenster auf. Ein weiteres Fensterloch war unter dem Turmdach angebracht. Der hölzerne Ober- und Untergang nach diesem Turm war verfallen und die Stützen in der Erde verfault. Die Erker und sicher auch die Tür können wir vermutlich als jüngere Zutaten weglassen, dann haben wir einen Eindruck von dem Turm im 13. Jahrhundert. Die Gesamthöhe betrug etwa das 2- Fache der Breite, also etwa 18 m, die Geschosshöhe etwa 4 m. Es war also ein 4-  geschossiger Wohnturm, ein Bergfried.(5)


(1)
Quelle: Geisler, Horst/ Grebe, Klaus: Poztupimi - Potstamp - Potsdam. Ergebnisse archäologischer Forschungen. Brandenburgisches Landesmuseum für Ur- und Frühgeschichte, Potsdam 1993, S. 59
(2)
Quelle: Geisler, Horst/ Grebe, Klaus: Poztupimi - Potstamp - Potsdam. Ergebnisse archäologischer Forschungen. Brandenburgisches Landesmuseum für Ur- und Frühgeschichte, Potsdam 1993, S. 58, Abb. 46
(3)Quelle: Geisler, Horst/ Grebe, Klaus: Poztupimi - Potstamp - Potsdam. Ergebnisse archäologischer Forschungen. Brandenburgisches Landesmuseum für Ur- und Frühgeschichte, Potsdam 1993, S. 58, Abb. 47
(4)Quelle: Geisler, Horst/ Grebe, Klaus: Poztupimi - Potstamp - Potsdam. Ergebnisse archäologischer Forschungen. Brandenburgisches Landesmuseum für Ur- und Frühgeschichte, Potsdam 1993, S. 61, Abb. 50
(5)Quelle: Geisler, Horst/ Grebe, Klaus: Poztupimi - Potstamp - Potsdam. Ergebnisse archäologischer Forschungen. Brandenburgisches Landesmuseum für Ur- und Frühgeschichte, Potsdam 1993, S. 59 ff.

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