Marienkirche

aus Potsdam-Chronik, der freien Wissensdatenbank
Wechseln zu: Navigation, Suche

Als Marienkirche wird das erste, auf dem Gelände der heutigen Nikolaikirche errichtete christliche Kirchenbauwerk in Potsdam bezeichnet. Seine Existenz ist jedoch nicht belegt. Somit handelt es sich hierbei lediglich um eine Vermutung oder Annhame, jedoch um keine Tatsache.

Für ein mögliches Jahr der Erbauung dieses Kirchenbauwerks sowie für seine mögliche Benennung nach der Mutter von Jesus, Maria. Ebenso existiert keine bildliche Darstellung. Und es gibt keine im Ergebnis archäologischer Grabungen gewonnene Hinweise auf die frühe Existenz einer Kirche.

Ein Abgleich der Bauzeiten von in der Umgebung Potsdams im Mittelalter entstandener Kirchen, wie der Stadtpfarrkirche St. Marien und St. Nikolai in Beelitz (1247) und der Heilig-Geist-Kirche in Werder/Havel (um 1250), lassen die Bauzeit einer Kirche in Potsdam zwischen 1250 und 1270 vermuten.

Eine frühere Bauzeit, z. B. um 1200, ist unwahrscheinlich. [1] Im 13. Jahrhundert hatten viele Orte in der Umgebung des heutigen Potsdams, wie Beelitz und Werder und sogar auch das heutige kleine Dorf Saarmund, eine hearsgehobenere Stellung. Und da sollte vor dem Bau ihrer Kirchen bereits eine Potsdam gestanden haben?


Rezeptionsgeschichte

18. Jahrhundert

Die erste Information über die Existenz einer Kirche in Potsdam stammt aus dem Jahr 1452. In dem in diesem Jahr entstandenen Schreiben ging es um einen in dieder Kirche vorhandenen Altar corporis Christi. Er wurde in diesem Jahr vom Rat und von der Bürgerschaft mit einem jährlichen Einkommen von 29 Scheffel Weizen beschenkt. Der Rektor der Großen Stadtschule und Stadthistoriker Samuel Gerlach brachte diese Information erstmalig öffentlich zur Kenntnis.

Dass es in Potsdam eine Marienkirche gegeben haben soll, teilt er nicht mit. Er weiß lediglich von der Existenz einer kleinen Katharinenkirche zu berichten. Diese sei nach der heiligen Katharina von Siena benannt worden, die der Legende nach von Christo selbst das Lesen gelernet haben soll, der zum öfftern zu ihr gekommen, ihr das Feuer auf dem Heerd angeblasen und auch ihre Stube ausgekehret hat.


20. Jahrhundert

Die Bezeichnung Marienkirche erscheint erstmalig in der Literatur zur Geschichte Potsdams. Der katholische Historiker Karlheinrich Schäfer führt ihn ein.

Aus dem Sachverhalt, dass mehrere der in der Umgebung Potsdams befindlichen Kirchen des frühen Mittelalters der Muttergottes, Maria, geweiht waren, leitet er ab, dass auch eine in Potsdam existierende Kirche diesen Namen getragen haben müsste. [2] Konkrete Beweise dafür führt er nicht an. Er nutzt Samuel Gerlachs Beschreibung der 1672 von Memhardt gezeichneten und auf Befehl von König Friedrich Wilhelm I. abgerissenen Katharinenkirche und leitet daraus ab, wie eine mittelalterliche Potsdamer Kirche ausgesehen haben könnte.


Quellenangaben

  1. Assing, Helmut: Marienkirche/Katharinenkirche. In: Potsdam-Lexikon. Stadtgeschichte von A bis Z..., Berlin 2010, S. 253 (ISBN: 978-3-942476-03-4) Dieser wohl aus Feldstein errichtete Turm datiert den Bau der Kirche in die Zeit um 1200 sodass sie wahrscheinlich ursprünglich eine romanische Form besaß. Assing leitet diese äußerst spekulative Aussage von einer Zeichnung ab, die Johann Gregor Memhardt 1672 anfertigte. Das von Memhardt zeichnerisch im Miniaturformat (!) dokumentierte Erscheinungsbild des zur damaligen Zeit vorhandenen Kirchenbauwerks wies Veränderungen auf, die im 16. Jahrhundert vorgenommen worden waren.
  2. Potsdams tausendjährige Geschichte 928/29 - 1929. Ein Rückblick zur Tausendjahrfeier der Germanisierung des Havellandes von Reichsarchivrat (Karlheinrich) Schäfer, Berlin 1929, S. 20